Skateboard-Helm für Kinder: was die Norm EN 1078 bedeutet
Ein Skateboard-Helm für Kinder sollte innen ein Etikett mit „EN 1078“ und dem CE-Zeichen tragen. Das ist die europäische Norm für Fahrrad-, Skateboard- und Rollschuhhelme, und genau das meinen Skatehallen, Kurse und Contests, wenn sie einen „richtigen“ Helm verlangen. Steht auf der Verpackung „Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz.“, ist es ein Kostümteil. Eine gesetzliche Helmpflicht gibt es in Deutschland weder beim Skaten noch beim Radfahren, wohl aber in vielen Hallen und bei Contests. Und nach einem harten Sturz wird der Helm ersetzt, auch wenn man ihm nichts ansieht. Hier steht, was jede Angabe bedeutet, woran du einen guten Helm erkennst und wie er richtig sitzt.
Was die Norm EN 1078 prüft
In Deutschland heißt sie DIN EN 1078 und trägt den Titel „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“; die gültige deutsche Ausgabe ist von April 2014. Ein Helm, der sie erfüllt, taugt also für Fahrrad, Skateboard und Inliner gleichermaßen. Die Norm verlangt Prüfungen in vier Bereichen:
- Stoßdämpfung: Der Helm fällt auf einem Prüfkopf auf einen flachen und auf einen bordsteinförmigen Amboss, an verschiedenen Stellen und nach Lagerung bei Kälte, Hitze und künstlicher Alterung. Gemessen wird, wie viel vom Schlag beim Kopf ankommt.
- Kinnriemen und Verschluss: Sie müssen einem kräftigen Zug standhalten und sich trotzdem leicht öffnen lassen.
- Abstreifsicherheit: Der Helm darf nicht vom Kopf rutschen, wenn man ihn nach vorn oder hinten wegzieht.
- Sichtfeld: Er darf die Sicht zur Seite, nach oben und nach unten nicht einschränken.
Wichtig für Eltern: Geprüft wird ein harter Schlag pro Stelle. Deshalb gehört ein Helm nach einem heftigen Sturz ausgetauscht, auch ohne sichtbaren Schaden. Der ADAC sagt es noch knapper: Jeder Helm muss nach einem Sturz ersetzt werden, weil dabei unsichtbare Schäden entstehen können.
Was auf dem Etikett steht
Die Norm schreibt eine Kennzeichnung im Helm vor. Bei einem Kinderhelm findest du dort in der Regel:
- die Norm: EN 1078, oft mit Jahreszahl, etwa EN 1078:2012+A1:2012;
- Hersteller und Modell;
- die Größe als Kopfumfang in Zentimetern, oft auch das Gewicht;
- Herstellungsjahr und Quartal.
Dazu kommt das CE-Zeichen. Nach der EU-Verordnung 2016/425 über persönliche Schutzausrüstung ist ein Sporthelm Schutzausrüstung der Kategorie II: Bevor er verkauft werden darf, muss eine benannte Prüfstelle das Modell untersuchen. Was viele Eltern stutzig macht: Hinter dem CE steht bei diesen Helmen keine vierstellige Nummer. Das ist in Kategorie II richtig so und kein Zeichen für eine Fälschung; die Nummer der Prüfstelle gehört nur bei Kategorie III hinter das CE. Außerdem müssen Hersteller und, bei Ware von außerhalb der EU, der Importeur Namen und Postanschrift auf dem Helm, der Verpackung oder den Unterlagen angeben.
Manche Helme tragen zusätzlich das GS-Zeichen für „geprüfte Sicherheit“. Es ist ein freiwilliges deutsches Prüfzeichen, das eine zugelassene Prüfstelle vergibt, und steht nicht anstelle des CE, sondern daneben.
Vorsicht bei Produktseiten im Internet. Im selben Onlineshop steht bei einem Helm „CE EN 1078“, beim nächsten nur „CE“, beim dritten gar nichts. Die Produktseite ist nicht das Etikett: Die Norm suchst du im Helm oder in der Gebrauchsanleitung.
Warum der Spielzeughelm nicht schützt
Helme aus dem Kostümregal (Feuerwehr, Ritter, Astronaut) sind Spielzeug, keine Schutzausrüstung, und das Gesetz verlangt, dass sie es sagen. Die EU-Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG schreibt in Anhang V, Teil B, Nummer 8 für Imitationen von Schutzhelmen diesen Warnhinweis vor, Wort für Wort:
„Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz.“
Vor dem Satz steht auf der Packung das Wort „Achtung“. Liest du ihn, ist der Helm zum Spielen da, nicht zum Fahren. Die neue EU-Spielzeugverordnung 2025/2509, die die Richtlinie ab dem 1. August 2030 ablöst, behält den Satz in Anhang III, Nummer 9 bei.
Dazu eine Ironie, die alles zusammenfasst: Das Spielzeug-Skateboard selbst, also eines für Kinder bis 20 kg, muss nach Nummer 5 desselben Anhangs den Hinweis „Mit Schutzausrüstung zu benutzen. Nicht im Straßenverkehr zu verwenden.“ tragen. Das Spielzeug verlangt also einen echten Helm.
Das häufigere Problem ist heute aber nicht das Kostüm, sondern der billige Helm aus dem Internet, der die Norm angibt und nicht einhält. Kauf lieber eine bekannte Marke, achte auf Name und Anschrift von Hersteller oder Importeur, und wirf vor dem Kauf einen Blick in die EU-Datenbank für gefährliche Produkte, Safety Gate.
Und die EN-1080-Helme mit dem grünen Verschluss?
Eine zweite Norm, die EN 1080, gilt für Helme kleiner Kinder. Ihr Kinnriemen, oft mit grünem Verschluss, öffnet sich bei einem bestimmten Zug von selbst, damit sich ein Kind, das mit dem Helm irgendwo hängen bleibt, nicht stranguliert. Der Preis dafür: Bei einem Sturz hält der Riemen den Helm nicht so fest wie bei einem Helm nach EN 1078. Für den Skatepark ist das die schwächere Wahl.
Auf dem Spielplatz gilt ohnehin eine einfachere Regel: Vor dem Klettern und Schaukeln kommt der Helm ab, egal welcher, weil der Riemen hängen bleiben kann.
CPSC, ASTM und mehrfach zertifizierte Helme
Die Form sagt nichts. Die runden „Skaterhelme“ mit harter Schale sind oft nach derselben EN 1078 geprüft wie ein Fahrradhelm. Es zählt das Etikett.
Viele Skate-Marken kommen aus den USA, und ihre Helme nennen die Normen von dort:
- CPSC 16 CFR Part 1203: die Pflichtnorm für Fahrradhelme in den USA.
- ASTM F1492: eine eigene Norm für Skateboard- und Trickhelme, die mehrere Schläge an derselben Stelle prüft, weil man beim Skaten viel öfter fällt als auf dem Fahrrad.
Ein Helm, der nur US-Normen nennt, ist nicht automatisch schlechter. Aber ein Helm, der in der EU verkauft wird, braucht das CE-Zeichen. Nennt er nur US-Normen, prüf, ob es da ist, zumal Kurse oder Contests einen europäisch geprüften Helm verlangen können. Mehrfach zertifizierte Helme, die EN 1078 und CPSC (manchmal auch ASTM F1492) auf demselben Etikett tragen, lösen die Frage.
Gibt es in Deutschland eine Helmpflicht?
- Beim Skaten nein. Nach § 24 der Straßenverkehrs-Ordnung sind Roller, Kinderfahrräder, Inline-Skates, Rollschuhe „und ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel“ keine Fahrzeuge; für sie gelten die Regeln für Fußgänger. Das Skateboard steht dort nicht wörtlich, wird aber nach allgemeiner Auslegung zu diesen „besonderen Fortbewegungsmitteln“ gezählt. Eine Helmpflicht gibt es für sie nicht. Auf der Fahrbahn und auf Radwegen hat ein Skateboard übrigens nichts zu suchen: Sport und Spiel sind dort nach § 31 StVO nicht erlaubt, außer ein Zusatzzeichen lässt die Sportart ausdrücklich zu.
- Beim Radfahren auch nicht, für kein Alter. Die StVO schreibt einen Helm nur auf Krafträdern und offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen mit mehr als 20 km/h vor (§ 21a Abs. 2).
- Beim E-Scooter ebenfalls nicht. Die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung verlangt ein Mindestalter von 14 Jahren, einen Helm schreibt sie nicht vor.
Wo das Gesetz schweigt, regeln es Hausordnungen und Ausschreibungen. In der JOPA-Skatehalle in Erfurt gilt Helmpflicht für alle unter 16; ab 14 kann darauf mit schriftlicher Einverständniserklärung der Eltern verzichtet werden. Kurse stellen den Helm oft aus dem Verleih, in der Skatehalle Wiesbaden zum Beispiel ist er im Kinderkurs dabei. Und bei Contests nach den Regeln des Weltverbands World Skate (Stand April 2025) gilt:
| Disziplin | Helm |
|---|---|
| Park | Pflicht für alle, in Training und Wettkampf, unabhängig vom Alter |
| Street | Pflicht für alle unter 18, in Training und Wettkampf |
Wer ohne Helm fährt, wo er Pflicht ist, kann disqualifiziert werden. World Skate empfiehlt Helme nach EN 1078 oder vergleichbaren Normen und verlangt eine durchgehende harte Schale, die den Hinterkopf umschließt, eine stoßdämpfende Innenpolsterung und einen Kinnriemen mit Verschluss. Die offiziellen Landesmeisterschaften laufen nach der Wettkampfordnung der Sportkommission Skateboard im DRIV. Deren nationale Fassung war 2026 laut den Veranstaltungsseiten in Bayern und Hamburg in Überarbeitung und hing nur vor Ort aus; Skateboard Bayern verlinkt so lange die internationale Fassung. Beide Landesmeisterschaften schrieben 2026 den Helm für alle unter 18 vor, in Street wie in Park, und in Bayern gab es Leihhelme vor Ort. Lokale Contests schreiben ihre Regeln in die Ausschreibung: Lies sie vor der Anmeldung. Was du sonst noch vorbereiten solltest, steht im Contest-Ratgeber für Eltern.
Was der Test von ADAC und Stiftung Warentest zeigt
Im März 2026 haben ADAC und Stiftung Warentest 18 Kinder-Fahrradhelme geprüft, auf Unfallschutz, Handhabung und Schadstoffe. Die Ergebnisse, die auch für Skater-Eltern zählen:
- Kein Helm war „gut“. Alle schützten grundsätzlich ausreichend, aber jeder hatte Kritikpunkte. Die beste Note war 2,6.
- Teuer heißt nicht sicherer. Der günstigste Helm, der Crivit von Lidl für 14,99 €, dämpfte Stöße am besten und wurde Testsieger. Der teuerste, ein Modell von POC für 100 €, hatte die schlechteste Stoßdämpfung.
- Das Modell im BMX-Stil schnitt schwach ab: Der Fischer Plus-BMX (30 €) kam auf 3,5.
- Die Größen sind knapp bemessen. Viele Modelle decken nur einen kleinen Bereich des Kopfumfangs ab; nur wenige Hersteller bieten Größen für alle Altersklassen an. Probieren ist Pflicht.
Getestet wurden Fahrradhelme, keine reinen Skatehelme. Da beide nach derselben Norm geprüft werden, sind die Ergebnisse trotzdem ein guter Anhaltspunkt.
Größe und Sitz: fünf Handgriffe
- Kopfumfang messen, mit einem Maßband knapp über Augenbrauen und Ohren. Nimm die Größe, in deren Spanne dieser Wert liegt.
- Gerade und tief: Die Vorderkante sitzt ein bis zwei Finger breit über den Augenbrauen. Ist die ganze Stirn frei, sitzt der Helm zu weit hinten und schützt sie nicht mehr.
- Die Riemen bilden ein V knapp unter den Ohren, ohne sie zu verdecken.
- Am Kinn passt zwischen geschlossenem Riemen und Kinn ein Finger, nicht mehr.
- Der Gähn-Test: Lass das Kind den Mund weit öffnen. Der Helm sollte dabei leicht nach unten ziehen. Bewegt er sich nicht, ist der Riemen zu locker.
Kauf ihn nicht zum Reinwachsen: Ein Helm, der wackelt, verrutscht beim Sturz. Viele Helme haben ein Drehrad hinten oder liegen mit Polstern in mehreren Stärken bei, damit sie ein Stück mitwachsen. Und bei langen Haaren den Zopf tief im Nacken binden: Ein hoher Zopf schiebt den Helm nach vorn.
Wann er ersetzt werden muss
- Nach einem harten Sturz, auch ohne sichtbaren Schaden. Der Schaumstoff innen (EPS) wird beim Aufprall zusammengedrückt, um den Schlag aufzufangen, und geht nicht wieder in Form.
- Bei Rissen in Schale oder Schaum.
- Wenn er zu klein wird, auch wenn er noch tadellos aussieht.
- Mit dem Alter: Manche Hersteller empfehlen, einen Helm nach einigen Jahren auch ohne Sturz zu ersetzen. Bei einem Kind, das wächst, ist er fast immer vorher zu klein.
Manche Skatehelme verwenden einen anderen Schaum, EPP, der kleine Stöße wegsteckt. Steht auf dem Etikett oder in der Anleitung nichts davon, geh davon aus, dass deiner zu denen gehört, die man ersetzt.
Was ein guter Helm kostet
Im Test von ADAC und Stiftung Warentest kosteten Kinderhelme 14,99 bis 100 €; Kinder-Skatehelme im Skateshop liegen bei 40,99 bis 54,95 € (Titus, September 2026). Der Preis allein sagt nicht, wie gut ein Helm schützt; er bezahlt vor allem Komfort, Gewicht und Belüftung. Das ist trotzdem nicht egal, denn ein Helm, der drückt, landet in der Tasche statt auf dem Kopf. Was das ganze Skatejahr kostet, Helm inklusive, steht in Was kostet Skateboarden für Kinder?
Warum es sich lohnt, dranzubleiben
Eine US-Studie mit fast 25.000 Skateboard-Verletzten, die zwischen 2007 und 2016 in Traumazentren behandelt wurden, fand, dass ein Helm die Wahrscheinlichkeit einer schweren Kopfverletzung ungefähr halbiert. In derselben Studie hatten nur gut 5 % der Verletzten einen getragen.
Wenn du gerade eine Skateschule suchst: Welche Fragen du ihr stellen solltest, den Helm eingeschlossen, steht in Skateboardkurs für Kinder: die richtige Skateschule finden. Und wenn der Helm ein Geschenk wird, findest du weitere Ideen in Geschenke für Kinder, die Skateboard fahren, auch ein Deck mit seinem Foto oder Namen, das du im Editor gestaltest.
Häufige Fragen
Was bedeutet EN 1078 auf einem Helm?
EN 1078 ist die europäische Norm für Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen, in Deutschland als DIN EN 1078 (Ausgabe April 2014). Ein Helm, der sie erfüllt, hat Prüfungen zu Stoßdämpfung, Kinnriemen und Verschluss, Abstreifsicherheit und Sichtfeld bestanden und taugt fürs Fahrrad, fürs Skateboard und für Inliner.
Gibt es in Deutschland eine Helmpflicht beim Skateboardfahren?
Nein. Skateboards gelten nach § 24 StVO nicht als Fahrzeuge, wer skatet, wird wie ein Fußgänger behandelt, und eine Helmpflicht gibt es weder dafür noch fürs Radfahren oder den E-Scooter. Viele Skatehallen schreiben Kindern aber einen Helm vor, und bei Contests nach World-Skate-Regeln ist er im Street für alle unter 18 und im Park für alle Pflicht.
Woran erkenne ich einen Spielzeughelm?
Nachgemachte Schutzhelme, die als Spielzeug verkauft werden, müssen nach der EU-Spielzeugrichtlinie den Warnhinweis „Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz.“ tragen. Steht er auf der Packung oder dem Etikett, ist der Helm nicht zum Fahren gedacht. Ein echter Helm hat innen die Norm EN 1078, die Größe in Zentimetern und das CE-Zeichen.
Warum hat das CE-Zeichen auf meinem Helm keine Nummer?
Weil Sporthelme nach der EU-Verordnung 2016/425 Schutzausrüstung der Kategorie II sind. In dieser Kategorie steht das CE-Zeichen allein; die vierstellige Nummer der Prüfstelle kommt nur bei Kategorie III dazu. Eine fehlende Nummer ist also kein Zeichen für eine Fälschung.
Wann muss ein Kinderhelm ersetzt werden?
Nach jedem harten Sturz, auch wenn man ihm nichts ansieht, bei Rissen in Schale oder Schaum und sobald er zu klein ist. Ohne Sturz empfehlen manche Hersteller einen Wechsel nach einigen Jahren; bei einem Kind, das wächst, ist der Helm aber meist vorher zu klein.
Quellen
Norm: DIN EN 1078:2014-04 (DIN Media, Inhaltsangabe und Inhaltsverzeichnis) und DIN EN 1080. Schutzausrüstung: Verordnung (EU) 2016/425, Anhang I sowie Art. 8, 10 und 17. Spielzeug: Richtlinie 2009/48/EG, Art. 11 und Anhang V, Teil B, Nr. 5 und 8, und Verordnung (EU) 2025/2509, Art. 56 und 59 sowie Anhang III, Nr. 6 und 9. Straßenverkehr: § 24 StVO, § 31 StVO, § 21a StVO und § 3 eKFV, abgerufen im September 2026. Contests: World Skate, Street & Park Competition Rules (April 2025) und Ausschreibung der Landesmeisterschaft Park Bayern 2026, Veranstaltungsseiten der Landesmeisterschaften Bayern und der Meisterschaften in Hamburg. Hallenordnung: JOPA Skatehalle Erfurt. Test: ADAC und Stiftung Warentest, Kinder-Fahrradhelme 2026 (24. März 2026). Studie: Mitchao et al., Injury, 2022 (PMID 35063260). Preise: Titus, September 2026.